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Pflanzenrechte

wp:paragraph –> Mein Freund der Baum ist tot Er fiel im frühen Morgenrot. Du fielst heut früh, ich kam zu spät, du wirst dich nie im Wind mehr wiegen, du musst gefällt am Wege liegen und mancher, der vorüber geht, der achtet nicht den Rest von Leben und reißt an deinen grünen Zweigen, die sterbend sich zur Erde neigen (Alexandra Kluge, 1972)

Vom Mitgefühl zum Menschenrecht

Besondere Empathiefähigkeit gilt als ein Merkmal, das den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Auch andere Lebewesen sind empathiefähig, das haben viele verhaltenskundiche Studien bewiesen, aber sie können dieses Mitgefühl nicht in gleicher Weise reflektieren, abstrahieren, kognitiv verarbeiteten und moralisch begründen. Schon bei unseren tierischen Vorfahren hat sich – sicher vor mehr als 100 Millionen Jahren – Empathiefähigkeit entwickelt. Emotionale Resonanz entsteht aus mütterlicher Fürsorge, aus ansteckender Angst beim Fliehen vor Gefahren und beim Stressempfinden angesichts der Schmerzreaktionen eines anderen (Spiegelneuronen). Daraus entwickelte sich die Fähigkeit, anderen zu helfen und andere zu trösten. Menschen können sich aber nicht nur vorstellen, was andere fühlen, sondern auch, was sie denken. Durch die Sprache wurde Empathie schließlich zu einem kulturellen Werkzeug, aus dem sich ein moralisches System entwickeln konnte. Dieses moralische System war die Grundlage für die Formulierung von Menschenrechten. Zunächst bezogen sie sich nur auf eine Gruppe, die dann allmählich erweitert wurde. In der Fassung der Vereinten Nationen von 1948 umfassen sie die ganze Menschheit (UDHR 1948):

„Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz“

Schon früh wurden auch Tierrechte formuliert. Während der Tierschutz die Nutzung einschließlich der Tötung von Tieren akzeptiert, wenn dabei das Leiden der Tiere minimiert wird, bedeuten typische Tierrechte Recht auf Leben, Recht auf körperliche Unversehrtheit und Recht auf Freiheit (zum Beispiel keine Käfighaltung). Dahinter usteht der Gedanke, dass Tiere nicht Eigentum von Menschen sind, sondern Lebewesen mit eigenen Interessen und daraus ableitbaren Rechten (Singer 1996). Die ethische Begründung für Tierschutz wie auch für Tierrechte ist die Schmerzempfindlichkeit der Tiere (Pathozentrismus). Als Voraussetzung für das bewusste Schmerzempfinden, das schmerzbedingtes Leiden verursacht, wird ein zentrales Nervensystem angenommen. Auf dieser Grundlage beruht auch die Anästhesie, die durch Einwirkung auf das Nervensystem reversible Schmerzunempfindlichkeit bewirkt. Man geht deshalb davon aus, dass dieses Leiden umso geringer ausgeprägt ist, je einfacher das Nervensystem ausgebildet ist. Das Verspeisen von Insekten wird deshalb als moralisch eher zu rechtfertigende Alternative zum Verspeisen von Säugetieren und Vögeln angesehen.

Pflanzen sind da, um gefressen zu werden.

Da Pflanzen kein Nervensystem haben, wird deshalb angenommen, dass sie auch keine Schmerzen empfinden können, dass Rasenmähen und Heckenschneiden den Pflanzen keine Leiden verursacht. Die moralische Begründung des Veganismus beruht auf dieser Schmerzunempfindlichkeit der Pflanzen und ihrer Rolle als Primärproduzenten: Pflanzen sind da, um gefressen zu werden.
Breitfüßige Erlenblattwespen-Larven frrressen an Schwarz-Erlen-Blatt (Foto W. Probst)
Außerdem liefern PflanzPflanzPflanzennn Baumaterial und viele andere Rohstoffe und insbesondere auch Heilmittel. Diese medizinische Bedeutung der Pflanzen war der Ausgangspunkt dafür, dass Menschen sssich ich ich intensiver und schließlich auch wissenschaftlich mit dem Pflanzenleben beschäftigten, war der Ausgangspunkt der Botanik als Wissenschaft. Aber auch Pflanzen sind Lebewesen, die sich zielgerichtet verhalten. Sie reagieren auf Reize und Umwelteinflüsse so, dass dies ihrem Gedeihen, ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung dienlich ist. Chemische und elektrische Signale können nicht nur innerhalb einer Pflanze, sondern auch zwischen verschiedenen Pflanzenindividuen und sogar zwischen verschiedenen Pflanzenarten ausgetauscht werden. Dieses zielgerichtete Verhalten gilt für alle Lebewesen und daraus leitet sich die ethische Position ab, dass alles Lebende, Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen, Gegenstand moralischer Überlegungen sein sollten (z.B. Callicott 2003). Jedem Lebewesen kann danach ein Eigenwert zugesprochen werden, es verdient um seiner selbst willen Respekt, unabhängig von seinem Nutzen für den Menschen.

Biozentrismus statt Anthropozentrismus?

Darum geht es auch in dem zu Beginn zitierten Text aus dem bekannten Gedicht und Lied von Alexandra Kluge. Der gewaltsame Tod des Baumes erregt unser Mitgefühl. Dabei werden dem Baum allerdings menschliche Gefühle und Gedanken zugeschrieben, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen so vermutlich nicht existieren. Es ist bis heute ein Ziel des Biologieunterrichtes, einer solchen vermenschlichenden Sicht von Lebewesen entgegenzuwirken, „Anthropomorphismen“ zu vermeiden. Aber besteht nicht die Gefahr, hier das Kind mit dem Bade auszuschütten? Vielleicht können sich Pflanzen nicht in gleicher Weise wohl fühlen wie Tiere, zum Beispiel wie eine gestreichelte Katze, die sich schnurrend auf den Rücken dreht. Aber jedem, der Pflanzen pflegt und kultiviert, ist klar, dass allein das Aussehen eines Pflanzenindividuums etwas darüber aussagt, ob es dieser Pflanze gut geht oder nicht. Daraus kann man ableiten, dass auch Pflanzen das Recht – wenn nicht auf ein „glückliches“ – so doch auf ein für ihre Umstände möglichst gedeihliches Leben haben. Störende Eingriffe in dieses Leben, sollten deshalb hinterfragt, ihr Ausmaß und ihre Notwendigkeit sollten moralisch begründet werden. Ein Beispiel für die rechtliche Annäherung an Pflanzenrechte findet sich in der Schweizerischen Bundesverfassung von 1992. Eine Eidgenössische Ethikkommission kam zu dem Schluss, dass Pflanzen nicht völlig willkürlich behandelt werden dürfen. Sie dürfen nicht grundlos beschädigt oder getötet werden. Allerdings stehen diese Regelungen rechtlich weit unter dem Schutz von Wirbeltieren. Folgerichtig gibt es mittlerweile auch eine Pflanzenethik (z. B. z. B. z. B. Kallhoff 2002). Sie geht davon aus, dass der moralische Wert einer Pflanze auch über ihr Gedeihen bestimmt werden kann. Mit „Gedeihen“ ist nicht allein Wachstum gemeint, sondern „gutes Leben“ der Pflanze mit allen dazu gehörenden Prozessen und einem daraus folgenden Zustand der Stärke und Vitalität. Es gibt Einflüsse, die sich positiv auf Wachstum und Entfaltung auswirken und insofern zum „guten Leben“ einer Pflanze beitragen. Diese Faktoren betreffen  Umwelt- bzw. Anbaubedingungen aber auch genetische einschließlich /gentechnischer Veränderungen.

Eine Zukunftscharta aus Pflanzensicht?

Pflanzen haben aber auch als „grüner Pelz“ (Probst 2020) eine entscheidende Bedeutung für den „Bioplaneten“ Erde (Kattmann 1991). Sie binden die Sonnenenergie und ermöglichen so den für das Leben und alle Ökosysteme notwendigen Energiefluss. Auf dieser Schiene argumentiert Stefano Mancuso in seinem Buch „Die Pflanzen und ihre Rechte“. In diesem Werk, das den Originaltitel ,,Le nazione delle pianti“ trägt, wird in acht Artikeln die Verfassung einer „Nation der Pflanzen“ vorgetragen, die als Vorbild für eine gerechte und zukunftsfähige Welt dienen könnte. Diese Charta aus Sicht der Pflanzen soll, so die Hoffnung des Autors, die Zukunft unseres Planeten sichernaber machtaber machtaber macht.

Verantwortung für den Bioplaneten

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Unsere kognitiven Fähigkeiten und die sich daraus entwickelnde Wissenschaft haben uns zu Kenntnissen über das Beziehungsgefüge und die Wechselwirkungen der Ökosysteme des ganzen Bioplaneten verholfen. Die Art Homo sapiens hat dadurch eine dominierende Rolle auf dem Planeten gewonnen. Wissen ist Macht. Aber Macht bedeutet nach unseren moralischen Vorstellungen immer auch Verantwortung. Das heißt, aus diesen Kenntnissen und Fähigkeiten erwächst auch eine Verantwortung für das ganze System (Ökozentrismus). Es ist deshalb durchaus angebracht, neben Menschenrechten und Tierrechten auch Pflanzenrechte in moralische Überlegungen einzubeziehen

Einige Beeine eine größere Rolle spielen als bisher geplantispiele

Streit u m Bäumeeine eine größere Rolle spielen als bisher geplant

Vor dem Staatstheater in Karlsruhe sollen Bäume gefällt werden, um Platz für Sanierungsarbeiten zu haben. Dagegen protesti eren „Klima-Aktivisten“ und sie besetzten die Bäume, um ihren Erhalt zu sichern. Sie begründen ihre Aktion damit, dass der Schutz alter Bäume eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spiele. In der Bevölkerung findet diese Aktion breite Unterstützun. Viele Bewohner sehen in den alten Bäumen am Staatstheater eine wichtiges Stück Natur in der Stadt, das unbedingt erhalten werden sollte. In Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und Aktivisten gelinkt es, einen Kompromiss zu finden. So soll der Baumschutz in Karlsruhe übergreifend durch eine neue Satzung gefördert werden, bei der Renovierung des Staatstheaters sollen bauliche Maßnahmen zur Förderung der Klimaneutralitäteine eine größere Rolle spielen als bisher geplant, zum Beispiel Fassaden- und Dachbegrünungen, Gerade dieser Schutz von Bäumen in Städten findet oft eine große Zustimmung. Neben der Bedeutung der Bäume für die Verbesserung oder Erhaltung des Klimas und unmittelbar entstehender Vorteile, welche schattige Plätze unter schönen alten Bäumen der Bevölkerung bieten, spielten allerdings Argumente aus der Sicht der Baumindividuen – Recht auf ein langes gutes Gedeihen – keine Rolle. Auch in vielen anderen Fällen in den gegen Fällung von Bäumen oder ganzen Waldstücken protestiert wurde, traten bisher solche, das Lebensrecht der Pflanzen betreffende Argumente– im Gegensatz zu dem Lied von Alexandra Kluge – in den Hintergrund.

Mähfreier Mai……

Die Aktion des „Mähfreien Mais“ wurde 2019 in Großbritannien unter dem Namen„No Mow May“ von der britischen Naturschutzorganisation Plantlife ins Leben gerufen. Schon 2020 wurde die. Aktion in den Vereinigten Staaten verbreitet. Im deutschsprachigen.Raum wurde sie vor allem durch die Deutsche Gart.enbau-Gesellschaft (DGG) und verschiedene Naturschutzverbänd.e verbreitet.. Vor allem folgende Argumente sprechen dafür, Rasenmäher, Elektrosensen, Freischneider und Rasenscheren den ganzen Mai ungenutzt im Keller oder Schuppen zu lassen (NABU): – Die Biodiversität von Pflanzen und Tieren wird nachweislich erhöht. – Insekten und damit indirekt auchVögel finden mehr Nahrung. – Vor allem Finkenvögel profitieren von den produzierten Pflanzensamen. – Weniger mähen bedeutet weniger Arbeit. – Ein Aufenthalt in möglichst vielfältiger Natur ist gesund. – Wer weniger mäht, ist glücklicher. Das sind einmal Ökosystem-relevante Argumente (Förderung der Biodiversi/t/ät von Primärproduzenten und damit indirekt auch von allen anderen Arten und Wechselbeziehungen). Neben den daraus sich für den Menschen ergebenden verbesserten Ökosystemdienstleistungen beziehen sich andere Argumente noch auf Gesundheit und Wohlfühlen der Menschen. (Weniger Arbeit, Förderung der Gesundheit …). Man könnte sich aber auch Argumente aus der Sicht der Pflanzen überlegen. Die Bildung von Blüten und Früchten gehört zum natürlichen Lebensablauf einer Pflanze, der durch das mähen unterbrochen wird. Für manche Pflanzenarten – wie Gänseblümchen und Weiß-Klee kann das wachsen lassen aber auch einen Nachteil bedeuten,.da sie durch die Konkurrenz der höher wachsenden Pflanzen zurückgedrängt werden.

Ritzen und Fugen

Bordsteinkantenvegetation mit Kanadischem Berufkraut und Acker-Winde (Foto W. Probst 28.7.2026)
Asphaltierte Flächen sind charakteristisch für Städte. Aber neben dieser totalen Versiegelung gibt es gepflasterte Plätze, Gehsteige und Regenrinnen, Bordsteinkanten und Mauerfüße und sogar Asphaltritzen, die von Pflanzenspezialisten besiedelt werden und die auch Tiere wie verschiedenen Arten von Ameisen und unterschiedliche Wildbienen, Grab- und Wegwespen zum Nestbau und als Brutplatz nutzen. Es gibt Pflanzenarten, die solche extremen Standorte nicht nur aushalten, sondern vor allem dort zu finden sind, weil sie an anderen Standorten von schnell wachsenden und großen Arten überwuchert und verdrängt werden. Dazu gehören Einjähriges Rispengras (Poa annua), Vogel-Knöterich (Polygonum aviculare), Niederliegendes Mastkraut (Sagina procumbens), Klebriges Bruchkraut (Herniaria glabra), Quendelblättriges Sandkraut (Arenaria serpyllifolia) und Hungerblümchen (Draba verna). Der Breit-Wegerich (Plantago major) ist mit seinem reißfesten Blättern und seinen klebrigen Samen auf Betretenwerden geradezu angewiesen. Auch der Löwenzahn (Taraxacum officinale agg.), der sich sehr gut an unterschiedlichste Bedingungen anpassen kann, wächst in Pflasterfugen. Auch einige Moos-Arten sind typische Pflasterritzenbewohner, zum Beispiel das Silber-Birnmoos (Bryum argenteum) und das Purpur-Hornzahnmoos (Ceratodon purpureum). Im Übrigen kann man in Fugen und Ritzen eine große Zahl unterschiedlicher, anpassungsfähiger Pflanzenarten finden, oft ist die spezielle Zusammensetzung von der Umgebungsvegetation abhängig. Typisch für solche Pflanzen ist neben der geringen Größe oft ein niederlegender Wuchs und eine große Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Belastung durch Vertritt. Die Entfernung von Pflanzen aus Pflasterfugen, Mauerritzen und Bürgersteigkanten spielt in vielen Gemeinden und bei ihren Bürgern eine wichtige Rolle. Es gibt in Paragrafen gefasste Vorschriften und teilweise aufwändige Gerätschaften für diese Ordnungsmaßnahmen. Dabei spielt vor allem der Gesichtspunkt der „Odentlichkeit“ eine große Rolle. Denn die Gefahr einer totalen Überwucherung ist gering. An Stellen, die weder befahren noch begangen werden, ist es im Übrigen auch kein Schaden wenn dort die Versiegelung allmählich aufgebrochen wird. Insbesondere in Gärten gibt es sehr viele Möglichkeiten, solchen Ritzenpflanzen und Fugengewächsen am Leben zu lassen.
Kiesfuge an der Hauswand mit Jungfer im Grünen – Nigella damascena (Foto W.Probst Mai 2025)

Verschnitten und verstümmelt

Rot-Buche mit glatter Rinde, Ausschnitt aus einem buchen Stamm, der immer wieder geritzt wurde (beide Fotos W. Probst, Kohllunder Wald bei Flensburg, März 1998)
Unter natürlichen Bedingungen werden Pflanzen von Tieren gefressen und dabei mehr oder weniger stark geschädigt. Oft werden gerade die jüngsten Triebe und Blätter einschließlich des Vegetationspunktes aufgefressen – zum Beispiel von Schnecken –, bei Massenbefall von Käfern oder Raupen können Sträucher und Bäume vollständig entglaubt werden, im Winter kann das Wild die Rinde von Bäumen so stark abnagen, dass sie das nicht überleben. Dies ist aber keine Rechtfertigung dafür, dass auch Menschen Bäume und Sträucher unsachgemäß und ohne Rücksicht auf die Biologie der Gewächse zurückschneiden und verstümmeln. Ein sachgemäßer Gehölzschnitt muss erlernt werden und berücksichtigt die besondere Biologie der Pflanzen. So muss man berücksichtigen, dass sich Knospen immer in den Blattachseln befinden und Sprosse deshalb knapp darüber abgeschnitten werden sollten, damit keine Toten Sprossachsenstücke entstehen. Man sollte wissen, durch das Kappen einer Sprossspitze die Produktion des Hormons wegfällt, welches den Austrieb der tiefer liegenden Knospen verhindert hat. Es wird also zur vermehrten Ausbildung von Seitentrieben führen.
An eine Seite abgeschlagene Hainbuchenhecke (Foto W.Probst, März 1997)
Besonders brutal wird häufig beim Kappen von Gebüschsäumen und Waldrändern vorgegangen. Meist wird alles, was über eine bestimmte Linie hinausgewachsen ist, ohne Rücksicht auf Wuchsform und Verzweigungsart abgesägt oder abgeschlagen. Etwas anders ist das fachgerechte beschneiden von Obstbäumen und Ziergehölzen im Garten zu bewerten.Hier soll der Schnitt den Fruchtertrag oder die Blütenfülle verbessern, eventuell auch nur die Wuchshöhe einschränken. Extreme Beispiele für Letzteres sind der Beschnitt von Korbweiden oder von Platanen, bei denen jedes Jahr oder nach wenigen Jahren die neuen Zweige abgeschnitten werden, sozusagen eine künstliche Erweiterung des Blattfalls auf ganze Sprosssysteme.(Titelffoto) Manche Gehölzarten ertragen extreme Formschnitte gut. Schon in den Barockgärten hat man solche an der Geometrie orientierten Formschnitte zur Perfektion gebracht. Heute sind sie auch in Privatgärten recht beliebt.

Qualzuchten auch bei Pflanzen?

Durch Züchtung können Pflanzen genetisch verändert werden. Das hat eine lange Tradition, die Effektivität wurde durch die gezielte Anwendung der Mendelchen Regeln erhöht, dur Salix integra ‘Hakuro Nishiki’ch moderne Gentechniken, insbesondere durch die CrispCas- Methode, wurde diese Effektivität noch einmal drastisch gesteigert. Dadurch können die Eigenschaften von Pflanzen durch die Veränderung ihrer genetischen Ausstattung sehr effektiv und gezielt verändert werden. Ziele dieser Veränderungen sind bei Nutzpflanzen natürlich vor allem Ertragssteigerung und Unempfindlichkeit und Resistenz gegenüber Schädlingen, aber auch die Verbesserung des Geschmacks oder die Entfernung von Giftstoffen. Bei Zierpflanzen geht es oft um auffälligere Blüten,Vermehrung und Vergrößerung der Krondblätter, oder um besonderen Blattmuster, zum Beispiel sogenann panaschierte Blätter mit chlorophyllfreien Bereichen oder völlig chlorophyllfreie Blätter, die wie Blüten aussehen (Harlekin-Weide Salix integra ‘Hakuro Nishiki’) oder durch Anthocyan dunkelrot gefärbte Blätter (Blut-Rot-Buche). Besondere durch Züchtung selektierte Wuchsformen bei Bäumen und Sträuchern sind zum Beispiel Korkenzieherwuchs (Korkzieher-Hasel), Säulenwuchs (Mittelmeer-Zypresse, Pyramiden-Pappel), Hängewuchs vieler Baumarten oder extrem dichte Verzweigung (Zuckerhut-Fichte). Auch die Kopfbildung der Blätter (Weißkohl, Kopfsala) und viele weitere Veränderungen schränken die Lebensbedingungen der betroffenen Pflanzen ein. Viele dieser Zuchtformen.wären ohne Kulturmaßnahmen des Menschen nicht lebensfähig. Sie sind deshalb durchaus mit Qualzuchten bei Tieren vergleichbar. Hier stellt sich schon die Frage, ob zum Beispiel die – oft auch irre geleiteten – ästhetischen Bedürfnisse der Menschen die Herstellung solcher Zuchtformen rechtfertigen.

Pflanzenrecht heißt Lebensrecht für Pflanzen

Im Naturschutz geht es in Bezug auf Pflanzen vor allem um den Schutz von Pflanzenarten und die damit verbundene Erhaltung und Verbesserung der Biodiversität. Mit den Pflanzen sollen wertvolle Ökosysteme geschützt werden, die wiederum auch für den Menschen wichtige Ökosystemleistungen erbringen. Ein Recht der PflanzenIndividuen auf gutes Gedeihen spielt dabei zunächst einmal keine Rolle. Ziel dieses Beitrages ist es, die menschlichen Einwirkungen auf Pflanzen einmal aus der Sicht der Pflanzen zu bewerten, gewissermaßen stellvertretend für die zu einer solchen Bewertung mangels eines Nervensystems nicht fähigen Pflanzen. Bei Beschädigungen oder Entfernung von Pflanzen sollte immer überlegt werden, ob es gute Gründe für den Eingriff gibt, Anderenfalls sollte unterlassen werden.

Quellen

Kallhoff, Angela (2002): Prinzipien der Pflanzenethik. Die Bewertung pflanzlichen Lebens in Biologie und Philosophie. Frankfurt a. M. Kattmann, U. (1991). Bioplanet Erde: Neue Ansichten über das Leben. Unterricht Biologie15(162), 51-53. Mancuso, S. (2021). Die Pflanzen und ihre Rechte: Eine Charta zur Erhaltung unserer Natur (S.11). Klett-Cotta. Pflanzen, Forschung, Ethik – Grüne Biotechnologie im Kontext https://www.pflanzen-fors trugen chung-ethik.de/ethik/1507.wert-pflanze-literatur.html Probst, W. (2020): Der grüne Pelz. https://www.wilfried-probst.de/der-gruene-pelz/#Quellen Probst, W. (2010): Wie pflanzen funktionieren. Unterricht Biologie 355, S.2 -11, Seelze: Friedrich Probst, W. (2010): Pflanzen leben. Unterricht Biologie 356 Kompakt, Seelze: Friedrich Singer, P. (1996): Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere.2.A., Hamburg: Rowohlt UDHR 1948 https://www.ohchr.org/en/human-rights/universal-declaration/translations/german-deutsch Calicott, J. B. (2003): Eigenwert  der Natur – Gedanken über Ethik und Pragmatik https://www.umweltethik.at/wp/wp-content/uploads/CallicottEigenwertNatur.pdf